Zahlen, Daten, Fakten
Interview mit Stephan Verdi
Stephan Verdi spricht über interessante Details zur Millioneninvestition der Ulmer Traditionsbrauerei...
Partner in der Ratiopharm Arena
Regionale Produkte werden ausgeschenkt.
Die Ratiopharm Arena hat zwei neue exklusive Top-Partner. Die Ulmer Brauerei Gold Ochsen und
Das American Institute of Baking...
...zeichnet Ulmer Getränke Vertrieb GmbH aus.
Die Ulmer Getränke Vertrieb GmbH (UGV), eine hundertprozentige ...
Zahlen, Daten, Fakten
Interview mit Stephan Verdi, dem technischen Betriebsleiter der
Brauerei Gold Ochsen. Rund zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen
und die Installation der neuen hochmodernen Abfüllanlage und Flaschenwaschmaschine.

Brauerei Gold Ochsen. Rund zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen
und die Installation der neuen hochmodernen Abfüllanlage und Flaschenwaschmaschine.
Vom ersten Tag eingebunden waren Stephan Verdi, technischer Betriebsleiter
und Siegfried Lackner, Leiter Energie und Instandhaltung bei Gold Ochsen.
In einem Gespräch mit Stephan Verdi konnten wir interessante Details
zur Millioneninvestition der Ulmer Traditionsbrauerei erfahren.
Frage: Wie lange dauerte die Planung und Installation der neuen Flaschenabfüllanlage?
Stephan Verdi: Mit der Planung waren wir rund zweieinhalb Jahre beschäftigt. Die Installation der Anlage dauerte bis zum ersten Probelauf rund drei Monate.
Frage: Wie lange war die alte Anlage im Dienst und wie viele Flaschen wurden insgesamt abgefüllt?
Stephan Verdi: Die neue hochmoderne Anlage ersetzt die aus dem Jahre 1989 stammende Abfüllanlage. In fast 23 Jahren wurden insgesamt rund eine Milliarde Flaschen abgefüllt.
Frage: Welche Kapazität hat die neue Anlage?
Stephan Verdi: Die Anlage, die von namhaften deutschen Maschinen- und Anlagenbauern gebaut wurde, ist Teil eines ganzheitlichen Abfüll-Konzeptes für Flaschenbier und alkoholfreie Getränke und auf maximale Effizienz ausgerichtet. 20.000 Liter Bier und alkoholfreie Getränke werden hier pro Stunde in 40.000 Halbliter-Flaschen gefüllt. Das sind am Tag, in zwei Schichten, rund 500.000 Flaschen. Überdies kann die Maschine aber auch zahlreiche weitere Gebindegrößen abfüllen. Insgesamt können somit auf beiden Abfüllanlagen bei Gold Ochsen rund 80.000/Flaschen pro Stunde abgefüllt werden.
Frage: Welche Gebinde können und werden mit der neuen Anlage abgefüllt?
Stephan Verdi: Es können 0,5l NRW Kronkorkenverschluss (KK), 0,5l NRW Schraubverschluss (SV), 0,33l Ale KK, 0,33l Ale Ring Pull, 0,33l Carolina und 0,2l Carolina abgefüllt werden.
Frage: Handelt es sich um eine klassische Kronkorken-Füllanlage oder können auch Flaschen mit anderen Verschlüssen abgefüllt werden?
Stephan Verdi: Es können Flaschen mit Kronkorken, mit Alu Schraubverschlüssen und mit Ring Pull-Verschluss verschlossen werden.
Frage: Wie viele Flaschen können auf einmal gewaschen werden?
Stephan Verdi: Beim Waschvorgang befinden sich 12.444 Flaschen in der Flaschenwaschmaschine, wobei die Durchlaufleistung bei maximal 46.000 Flaschen pro Stunde liegt.
Frage: Wer ist der Hersteller der neuen Anlage?
Stephan Verdi: Die neue Flaschenabfüllanlage ist eine Gemeinschaftsproduktion, an der mehrere Unternehmen aus ganz Deutschland und der Region beteiligt sind. Die Nassbereichbauteile der Abfüllanlage, sprich die Flaschenwaschmaschine, die Inspektionsmaschine, der Füller, die Etikettiermaschine und der Flaschentransport wurden von der Krones AG aus Neutraubling geliefert. Der Trockenteil, dazu zählen die Ent- und Bepalettierung, der Ein- und Auspacker, der Palettentransport und der Kastentransport, wurden von der Fa. Ziemann BMS aus Ludwigsburg bezogen. Weiter wurden die Kontrollgeräte für die Leergutsortierung und die Vollkastenkontrolle von der Fa. Syskona GmbH, der Entkorker und Abschrauber von der Fa. Rink GmbH & Co. KG, der Kastenwascher von der Klotzki Maschinenbau GmbH, die Kastenvertikalförderer von der Fa. Gronemeyer Maschinenfabrik GmbH, die Verschlusszuführung von der Fa. NSM Magnettechik geliefert. Die gesamte Verrohrung und die Programmierung der Reinigungsanlage wurde von der Albert Handtmann Holding GmbH & Co. KG aus Biberach durchgeführt. Einen „Sky-Walk“, der den Brauereibesuchern zukünftig einen Gesamtüberblick über die gesamte Abfüllanlage bietet, hat das Ulmer Architektenbüro MArch mit einer Maßanfertigung realisiert. Der 16 Meter lange und an der breitesten Seite 4,40 Meter breite „gläserne Finger“ ist eine Weltneuheit in der Brauindustrie.
Frage: Wie hoch ist die Gesamtinvestitionssumme?
Stephan Verdi: Die Gesamtinvestitionssumme der neuen Anlage liegt bei rund 10 Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro wurden davon für Umbaumaßnahmen an der bestehenden Abfüllanlage A1 aufgewendet.
Frage: Was ist neu in Sachen Technik/Logistik/Technologie?
Stephan Verdi: Die neue Flaschenwaschmaschine kann mit einem Wasserverbrauch von 110 Millilitern pro zu reinigender Flasche gefahren werden. Zum Vergleich: der aktuelle Verbrauchsstand liegt derzeit bei gleichen Maschinen anderer Hersteller bei 150 bis 180 Milliliter je Flasche. Zusätzlich kann die neue Flaschenwaschmaschine mit Solarthermie betrieben werden.
Logistisch haben wir an der Fördertechnik gefeilt. Der Transport von Leergut aus der Leerguthalle und Vollgut in die Vollguthalle wurde mit einem sogenannten Vertikalförderer der Firma Gronemeyer optimiert. Mit dieser speziellen Fördertechnik kann jetzt Leer- und Vollgut in Kasten auf kürzestem Wege eine für uns wichtige Höhe von 8,5 Meter überwinden.
Ein technologisch neues Konzept ist der intelligente Flaschentransport auf der Flaschenabfüllanlage. Nicht wie bisher üblich werden die Transportbänder von den Maschinen gesteuert, sondern die Maschinen von den Bändern. Dies hat den Vorteil, dass die Maschinen bei z.B. Flaschenmangel nicht sofort abschalten, sondern etliche Zeit vorher die Geschwindigkeit drosseln. Dadurch wird ein gleichmäßiger Lauf der gesamten Anlage erzielt.
Der Flaschenfüller mit seinen 120 Füllorganen ist mit dem neuestem Hygienic Design ausgestattet. Durch ein neues Produktdesign kann das Maschinenteil bei Verschmutzungen damit einfacher und optimal gereinigt werden.
Die Inspektionsmaschine, die die leeren Flaschen auf Verunreinigungen und Beschädigungen prüft, ist mit vier Kameras für die Mündungskontrolle ausgerüstet, dies ist vor allem für Schraubverschlussflaschen wichtig, um einen Defekt an der Flaschenmündung noch genauer erkennen zu können. Die hochsensiblen Inspektionsmodule erreichen beim Aufspüren von Fehlern und Verschmutzungen eine Trefferquote von 99,9 Prozent.
Frage: Ist die Anlage umweltfreundlicher? Wenn ja, warum?
Stephan Verdi: Neben den genannten Neuerungen sind sämtliche Motoren nach dem aktuellen IE 2 Standart und mit Frequenzumrichtern ausgerüstet und verbrauchen damit weniger Strom als herkömmliche Motoren. Zugleich kommt an allen größeren Maschinen eine neue Servotechnik zur Anwendung, die ebenfalls Strom einspart.
Frage: Welche Maße hat die neue Flaschenwaschmaschine?
Stephan Verdi: Die neue Waschmaschine ist elf Meter lang, dreieinhalb Meter breit und viereinhalb Meter hoch und wiegt im betriebsbereiten Zustand knapp 100 Tonnen.
Frage: Was ist das Besondere an der neuen Abfüllanlage?
Stephan Verdi: Sie wurde auf engem Raum in Karussellaufstellung aufgebaut. Das bedeutet: platzsparend und im Karussell ist jede Maschine auf kurzem Wege erreichbar.
Frage: Wird die Produktion durch die neue Anlage erhöht?
Stephan Verdi: Die Produktionssicherheit wird durch die neuen Anlagen erhöht und für die nächsten Jahre nachhaltig gesichert.
Frage: Welche baulichen Maßnahmen mussten zur Installation durchgeführt werden?
Stephan Verdi: Lediglich in der Vollguthalle musste ein Stahlbaugerüst zur Installation der Vertikalförderer errichtet werden. Ansonsten wurde die gesamte Anlage passgenau auf dem zur Verfügung stehenden Areal der Abfüllhalle geplant und aufgestellt.
Frage: Was passiert mit der alten Anlage?
Stephan Verdi: Ein Großteil der Bauteile der alten Anlage werden verschrottet, also recycelt. Einzelne Teile werden verkauft.
Frage: Werden die Arbeitsplätze erhalten?
Stephan Verdi: Sämtliche Arbeitsplätze werden erhalten.
Frage: Welche Produkte werden auf der neuen Anlage abgefüllt?
Stephan Verdi: Auf der neuen Flaschenabfüllanlage können sämtliche Flaschengebinde der Brauerei Gold Ochsen und der Ulmer Getränke Vertrieb GmbH abgefüllt werden. Lediglich die PET Pepsi Mehrwegflaschen werden mit der bestehenden Abfüllanlage 1 abgefüllt.
Frage: Wer war aus dem Hause Gold Ochsen für die Planung und Durchführung zuständig?
Stephan Verdi: Ein vierköpfiges Projektteam war in der zweijeinhalbjährigen Planungs- und Installationszeit eingebunden und setzte sich aus Vertretern verschiedener Abteilungen zusammen. Neben unserer Geschäftsführerin Ulrike Freund gehörten Projektleiter und Leiter Energie und Instandhaltung Siegfried Lackner, Produktionsleiter und Braumeister Bernhard Frey und ich als technischer Betriebsleiter zum Projektteam.



